Wenn aus Weggeworfenem Kunst wird
Kreativwerkstätten im Kunsthaus Lübz – Zentrum für Zirkuläre Kunst: Aus scheinbar Wertlosem entstehen Kunstwerke für die erste Juniorausstellung
Ein Stück Holz, ein ausgedienter Karton, ein paar alte Schrauben – Dinge, die normalerweise im Müll landen würden, bekommen im Kunsthaus Lübz ein zweites Leben. Gemeinsam mit Künstlerinnen und Künstlern haben Kinder des städtischen Hortes in den vergangenen Monaten gelernt, aus scheinbar Wertlosem etwas Neues entstehen zu lassen.
Entstanden ist die Zusammenarbeit aus der Idee, Kinder früh mit Kunst in Berührung zu bringen und gleichzeitig den Gedanken des Upcyclings praktisch erlebbar zu machen. In mehreren Kreativwerkstätten wurde gesägt, geklebt, gebaut und ausprobiert. Dabei entstanden ganz unterschiedliche Objekte – mal verspielt, mal überraschend oder einfach so, wie Kinder die Welt sehen.
Johannes Terbach beschreibt die Arbeit mit den Kindern als einen Weg „vom Weggeworfenen zum Aufgewerteten“. Genau darum gehe es: Materialien nicht vorschnell als Abfall zu betrachten, sondern ihnen neue Möglichkeiten zu geben.
Die Ergebnisse werden nun erstmals öffentlich gezeigt. Am 3. Juli präsentieren die Hortkinder ihre Arbeiten in einer Juniorausstellung im Kunsthaus Lübz. Zur Vernissage sind Eltern, Großeltern, Freunde und alle Interessierten eingeladen.
Für die Kinder ist es etwas Besonderes, ihre Werke nicht in einem Klassenraum oder Flur zu zeigen, sondern in einer richtigen Ausstellung. Schließlich hängen und stehen ihre Arbeiten dort, wo sonst professionelle Künstlerinnen und Künstler ihre Werke präsentieren.
Die Juniorausstellung soll keine einmalige Aktion bleiben. Geplant ist, das Format künftig regelmäßig durchzuführen, mindestens einmal im Jahr. Unterstützung erhält die Kooperation vom Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler Mecklenburg-Vorpommern.
Die Ausstellung zeigt aber noch etwas anderes. Kunst entsteht nicht immer aus teuren Materialien oder perfekten Voraussetzungen. Manchmal reicht eine Idee, etwas Fantasie und der Mut, Dinge anders zu sehen.
Wer die Arbeiten der Kinder betrachtet, wird vermutlich nicht nur bunte Objekte entdecken. Er wird auch sehen, wie viel Kreativität in Dingen steckt, die andere längst aussortiert hätten.
Vom Leerstand zum Kulturort
Die Juniorausstellung ist nur einer von mehreren Höhepunkten im laufenden Jahr des Kunsthauses Lübz.
„Treten Sie ein in das Kunsthaus Lübz – Zentrum für Zirkuläre Kunst, eine einzigartige Kunstgalerie im Herzen von Lübz, die sich Kreativität, Kultur und der Zukunft der zirkulären Kunst widmet.“ So beschreibt der Dokumentationsfilmemacher Ross Evelyn das Kunsthaus in einer aktuellen Interviewreihe.
Bekannt wurde das Kunsthaus unter anderem durch seinen Upcycling-Kunstpreis und zahlreiche Ausstellungen. Inzwischen hat sich das Haus als kultureller Treffpunkt etabliert, der weit über Lübz hinaus Aufmerksamkeit erfährt.
Noch vor wenigen Jahren stand das Gebäude leer. Heute treffen hier Kinder auf Künstler, regionale Initiativen auf internationale Gäste und Nachhaltigkeit auf zeitgenössische Kunst. Damit hat sich das Kunsthaus zu einem lebendigen Ort in der Lübzer Innenstadt entwickelt. Gerade für kleinere Städte sind solche kulturellen Treffpunkte keine Selbstverständlichkeit. Sie bringen Menschen zusammen und schaffen Begegnungen, die sonst vielleicht nicht stattfinden würden.
Dass sich das Kunsthaus so entwickeln konnte, liegt auch daran, dass die Idee vor Ort Unterstützung gefunden hat. Dazu gehören die Stadt Lübz und Bürgermeisterin Astrid Becker, die die Entwicklung des Hauses von Beginn an begleitet hat.
Am 18. Juli lädt das Team zunächst zum Sommerfest mit Kunst, Klang und Kulinarik ein. Danach richtet sich der Blick auf die internationale Konzeptkunst-Ausstellung „Treffpunkt International“. Unter dem Motto „Ein Ort. Sechs Länder. Ein Kunstprojekt.“ kommen Künstlerinnen und Künstler aus mehreren Ländern nach Lübz, um gemeinsam an dem Ausstellungsprojekt zu arbeiten.
Hinter der Ausstellung steht Claudia Maria Ammann. Gemeinsam mit sieben internationalen Künstlerinnen und Künstlern aus den Bereichen Bildende Kunst und Videokunst entwickelt sie das Konzept für die Präsentation im Kunsthaus. „Allen gemeinsam ist der Versuch, die Welt zu verstehen und auf sie in poetischer Art künstlerisch zu reagieren“, sagt Ammann.
Die internationale Ausstellung ist Teil der LUPINALE 2026, die bereits seit Mitte Mai läuft. Nach dem Gastspiel der internationalen Gruppe übernehmen wieder regionale Künstlerinnen und Künstler die Räume des Kunsthauses. Ihren Abschluss findet die diesjährige LUPINALE mit der Finissage am 17. Oktober.
Dann wird auch wieder die Kunstauktion stattfinden, die im vergangenen Jahr auf großes Interesse stieß. Die dafür von Künstlerinnen und Künstlern gespendeten Werke können bereits ab Mitte September im Kunsthaus besichtigt werden.
Das gesamte Jahresprogramm wird ehrenamtlich organisiert. Vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum sich viele Besucher dem Haus verbunden fühlen. Hier wird nicht nur Kunst gezeigt. Hier wird sie gemeinsam gestaltet.
Dieser Beitrag erschien zuerst am 21. Juni 2026 in „Unser Landkreisbote“.